Getreide im Napf – ein Reizthema. Doch wer auf die Wissenschaft schaut statt auf Mythen, erkennt schnell: Es kommt nicht darauf ob Getreide, sondern welches Getreide. In diesem Beitrag räumen wir bekannte Mythen bei Seite und klären auf.
Die Ernährung unserer Hunde ist heute nicht mehr nur ein nötiges Übel.. Wir wollen nur das Beste für unsere Hunde, damit sie ein langes, gesundes und glückliches Leben an unserer Seite führen können. Doch wer sich mit artgerechtem Hundefutter beschäftigt, stößt unweigerlich auf eine emotionale Debatte: Gehört Getreide in den Napf – oder ist es ein absolutes No-Go?
Wäscht man die Mythen beiseite und blickt auf die Wissenschaft, wird schnell klar: Es gibt hier kein reines Schwarz-Weiß. Getreide ist weder per se der Teufel noch ein minderwertiger Füller, es kommt ganz entscheidend auf die Art des Getreides und die Qualität der Verarbeitung an.
Der Wolf im Schafspelz? Was die Evolution wirklich sagt
Oft wird argumentiert, dass der Hund vom Wolf abstammt und deshalb ein reiner Fleischfresser sei. Das stimmt genetisch gesehen so nicht ganz. Im Laufe der Jahrtausende der Domestikation hat sich der Verdauungstrakt des Hundes an das Leben mit dem Menschen angepasst.
Genetische Studien zeigen, dass Hunde im Vergleich zum Wolf über eine deutlich höhere Anzahl an Genen (AMY2B) für das Enzym Amylase verfügen – das Enzym, das Stärke abbaut. Unsere Hunde sind also evolutionär gesehen Omnivoren (Allesfresser) geworden und können aufgeschlossene Kohlenhydrate hervorragend verwerten. ¹
Der Haupttreiber von Unverträglichkeiten: Warum Weizen problematisch ist!
Wenn Getreide einen schlechten Ruf genießt, liegt das meistens an einer bestimmten Sorte: Weizen. Er wird in der Futtermittelindustrie häufig als billiger Füllstoff eingesetzt – und das enthaltene Klebereiweiß (Gluten) macht ihn zum häufigen Auslöser von Unverträglichkeiten.
Typische Symptome sind häufiges Kratzen, gerötete Ohren, Pfotenlecken oder chronische Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen und weicher Kot. ²
Fazit zu Weizen: In einer hochwertigen, durchdachten Hundeernährung hat Weizen als Hauptbestandteil nichts zu suchen.
Die guten Seiten: Wertvolle Getreidesorten als Nährstoffbomben
Heißt das, der Napf muss komplett getreidefrei sein? Keineswegs. Wer auf Weizen verzichtet und stattdessen auf sorgsam ausgewählte Alternativen setzt, kann von echten Vorteilen profitieren:
Hafer: Ein Schmeichler für den Magen
Reich an B-Vitaminen, Zink und Eisen. Die enthaltenen Beta-Glucane legen sich wie ein schützender Film auf die Magenschleimhaut – ideal für sensible Hundemägen.
Reis: Leicht verdauliche Energie
Gut gekochter Reis ist eine hervorragende Kohlenhydratquelle, die den Darm nicht belastet. Traditionell bewährt als Schonkost bei Magen-Darm-Verstimmungen.
Hirse: Für glänzendes Fell und starke Gelenke
Von Natur aus glutenfrei und selbst von hochsensiblen Hunden gut verträglich. Hirse ist Spitzenreiter bei Silizium (Kieselsäure) – gut für Bindegewebe, Krallen und Fell. ³
Wichtig: Auf die Zubereitung kommt es an
Damit der Hund die Nährstoffe aus Hafer, Reis oder Hirse aufnehmen kann, muss das Getreide thermisch aufgeschlossen sein – also gekocht oder gepufft. Rohes Getreide kann vom Hundedarm nicht verwertet werden.
Fazit: Qualität statt Quantität
Ist Getreide nun Freund oder Feind? Es kommt auf die Auswahl an. Billiger Weizen als Füllstoff ist oft der Auslöser für Unverträglichkeiten – hochwertige, glutenfreie Sorten wie Hirse oder Hafer hingegen können eine wunderbare, naturnahe Ergänzung im Napf sein.
Als Faustregel gilt: Achte auf Transparenz, Herkunft und eine bewusste Auswahl der Zutaten. Denn die Liebe zu unseren Hunden zeigt sich vor allem darin, was wir ihnen Tag für Tag füttern.
Quellen ¹ Axelsson, E. et al. (2013): „The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet." Nature, Vol. 495. ² Critchley, J. et al. (2017): „Adverse reactions to food in dogs and cats." Veterinary Dermatology. ³ Zentek, J. (2022): „Ernährung des Hundes". Enke Verlag.