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Extrudiert, kaltgepresst, gebacken – Was steckt hinter den Herstellungsverfahren?

Extrudiert, kaltgepresst, gebacken – Was steckt hinter den Herstellungsverfahren?

Auch wenn wir derzeit kein Trockenfutter anbieten, ist uns eines wichtig: Aufklärung. Immer wieder stolpern wir über Halbwahrheiten und Unwissen – daher möchten wir Licht ins Dunkel bringen.

Wer vor dem Futterregal steht, liest oft Begriffe wie „schonend kaltgepresst", „traditionell gebacken" oder sieht klassische, gleichmäßige Kroketten. Doch was bedeuten diese Herstellungsverfahren für die Gesundheit deines Hundes? Die Art der Herstellung entscheidet maßgeblich darüber, wie Nährstoffe erhalten bleiben, wie das Futter im Magen reagiert und wie bekömmlich es ist.

1. Das Extrusionsverfahren: Der moderne Klassiker und seine Evolution

Die Extrusion ist das weltweit am häufigsten genutzte Verfahren für Trockenfutter. Rohstoffe werden fein gemahlen, vermischt und unter hohem Druck bei 100–150 °C durch eine Düse gepresst. Beim Austritt expandiert die Krokette durch den plötzlichen Druckabfall.

Der Vorteil: Stärkeverkleisterung: 
Durch Hitze, Feuchtigkeit und Druck werden Kohlenhydrate thermisch aufgeschlossen und für den Hundekörper leicht verdaulich. Keime werden zuverlässig abgetötet. ¹

Die moderne Weiterentwicklung: Thermal-Mix-Verfahren: 
Da bei der klassischen Extrusion überwiegend vorgetrocknete Fleischmehle eingesetzt werden, nutzen moderne Premium-Hersteller (wie z.B. Bewital / Belcando) veränderte Anlagentechniken. Beim sogenannten Thermal-Mix-Verfahren wird die Technologie so angepasst, dass ein sehr hoher Anteil an frischem Fleisch statt Fleischmehl direkt verarbeitet werden kann. Das frische Fleisch wird dabei mithilfe von Wasserdampf im eigenen Fleischsaft schonend gegart. Da der intensive Zwischenschritt der Fleischmehl-Herstellung entfällt, werden die tierischen Proteine weniger oft erhitzt, was die empfindlichen Aminosäuren schützt.

2. Das Kaltpressverfahren: Schonend geformt, wäre da aber nicht die „Kälte-Illusion"

Kaltgepresstes Futter erfreut sich großer Beliebtheit. Der Name weckt die Assoziation von rohen, naturbelassenen Zutaten – ähnlich wie kaltgepresstes Olivenöl. Doch hinter den Kulissen sieht es anders aus.

Die Fakten zur Hitze: Rein „kalt" ist kein Futter. Aus gesetzlichen Gründen müssen alle tierischen Rohstoffe vorab auf mindestens 90–120 °C erhitzt werden, um Salmonellen und andere Erreger abzutöten. ²

Das eigentliche Pressen: „Kaltpressen" bezieht sich ausschließlich auf den letzten mechanischen Schritt. Die vorab erhitzte Masse wird ohne erneuten Wasserdampf durch eine Trommelpresse gedrückt – dabei entstehen moderate 60–80 °C. Die Proteine werden kein zweites Mal stark erhitzt.

Das Magen-Verhalten: Kaltgepresste Pellets quellen im Magen nicht auf. Sie zerfallen in ihre pulverförmigen Bestandteile und sinken zu Boden – der Magen-Darm-Trakt wird nicht unnötig gedehnt.

3. Das Backverfahren: Die traditionelle Ofen-Illusion

Gebackenes Hundefutter erinnert an die Herstellung hochwertiger Kekse. In der Werbung gilt es als „schonende Handwerkskunst". Rein ernährungsphysiologisch betrachtet trügt dieses Image jedoch.

Die Hitze-Dauer-Falle: Die Zutaten werden bei 120–170 °C gebacken – und das oft 20 bis 30 Minuten lang. ³ Während Futter im Extruder nur Sekunden der Hitze ausgesetzt ist, ist die Belastung beim Backen um ein Vielfaches höher.

Protein-Entwertung durch Maillard-Reaktion: Das typische Röstaroma entsteht durch die chemische Verbindung von Proteinen und Kohlenhydraten. Das Problem: Essentielle Aminosäuren wie Lysin werden dabei strukturell verändert und für den Hundekörper biologisch unbrauchbar. ⁴

Das Schadstoff-Risiko: Bei langen Backprozessen ab 120 °C besteht das Risiko der Bildung von Acrylamid – einem potenziell krebserregenden Stoff, der in Laboranalysen von gebackenem Hundefutter nachgewiesen wurde. ⁵

Fazit: Welches Verfahren ist das beste?

Den einen perfekten Königsweg gibt es nicht. Jedes Verfahren hat seine Eigenheiten:

  • Kaltpressen bietet die geringste Zusatzbelastung im finalen Schritt, die Vorerhitzung der Rohstoffe bleibt jedoch unvermeidlich.
  • Extrusion punktet mit optimaler Kohlenhydrat-Verdaulichkeit. Moderne Thermal-Mix-Verfahren schützen zusätzlich die Proteinqualität.
  • Backen erzeugt intensives Röstaroma und quillt nicht auf, erkauft das aber mit den größten Einbußen bei der Proteinqualität.

Am Ende gilt: Das Herstellungsverfahren kann die Qualität der Zutaten verändern, aber nicht herbeizaubern. Ein ehrlicher Blick auf die Deklaration verrät dir weit mehr als der Werbespruch auf der Verpackung.

Ein häufiges Argument bei Trockenfuttern aus dem Extrusionsverfahren ist, dass die Kroketten im Magen aufquellen. Das ist richtig, aber auch in unserer menschlichen Ernährung passiert das, deshalb ist das per se nichts schlechtes. Viele Verweisen dann auf die Gefahr einer Magendrehung, wohin gegen Studien zeigen, dass diese in den seltensten Fällen nach der Fütterung eintritt. Wenn dich dieses Thema interessiert, dann lies doch gerne unseren Blog Beitrag zum Thema Magendrehung beim Hund.


Quellen ¹ Rokey, G. J. et al. (2010): Feed extrusion process description. Revista Brasileira de Zootecnia, Vol. 39. ² Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates. ³ Gibson, G. R. & Rastall, R. A. (2012): Main technology platforms for pet food manufacturing. In: Pet Food Technology. ⁴ van Rooijen, C. et al. (2014): Quantification of Maillard reaction products in commercial pet foods. Journal of Nutritional Science, Vol. 3. ⁵ European Food Safety Authority (EFSA) (2015): Scientific Opinion on acrylamide in food.